Geschichte

Sie finden hier eine kurze Darstellung der Kleinandelfinger Geschichte. Diese erhebt nicht den Anspruch auf Vollständigkeit. Viele interessante Informationen finden Sie auch auf den Seiten des Heimatkundliches Archiv Andelfingen oder des Historisches Lexikon der Schweiz.

Region

Links und rechts am Unterlauf der Thur gelegen, bilden die beiden Gemeinden Andelfingen und Kleinandelfingen das schmucke Siedlungszentrum des Zürcher Weinlandes. Historische Siedlungsspuren deuten darauf hin, dass diese Region schon früh als Wohnlage von Bedeutung war. Die Siedlung Andelfingen, an beiden Thurufern gelegen, geht wahrscheinlich auf den Hof des alemannischen Sippenoberhauptes „Andolf“ zurück. Die Gemeindegrenze von Kleinandelfingen umfasst drei Ortsteile, welche sich unterschiedlich entwickelt haben: Kleinandelfingen, Alten und Oerlingen.

Kleinandelfingen

Ein Steinbeil sowie zwei bronzezeitliche Urnengräber sind Zeugen von uralten Siedlungen. Der Name Kleinandelfingen wird erst im 14. Jahrhundert erstmals urkundlich erwähnt. Dies ist damit zu begründen, dass Andelfingen und Kleinandelfingen als ein Flecken behandelt wurde. Der Besitzer desselben wechselte öfters: Einmal waren es die Kyburger – noch heute sind die beiden Löwen im Wappen Überbleibsel davon – ein ander Mal die Habsburger, die Diessenhofer Herren oder die Familie von Hohenlandenberg, welchen die Bauern den Zehnten abzugeben hatten. Im Jahre 1434 übernahm die Stadt Zürich durch die Auflösung eines Pfandverhältnisses die Herrschaft über Andelfingen, Kleinandelfingen und Alten. Am Kleinandelfinger Schyterberg soll nach der Überlieferung die gleichnamige Burg Schyterberg gestanden haben. Nach dem Zusammenbruch der alten Eidgenossenschaft 1798 schloss die helvetische Republik 1799 alle eine Pfarrei bildenden Gemeinden zu einer politischen Gemeinde zusammen. Kleinandelfingen mit Alten und Oerlingen gehörte also dazumal zu Andelfingen. Erst 1804 ging der Wunsch nach Unabhängigkeit in Erfüllung: Kleinandelfingen wurde eine selbstständige politische Gemeinde. Aus geografischen Gründen kamen noch Alten und Oerlingen dazu. Bei dieser Einteilung blieb es bis heute.

Alten

Der Name entwickelte sich vermutlich aus Altheim, was im alemannischen eine alte Wohnstätte bedeutete. Aus alter Zeit zeugt ebenfalls der von Gottfried Keller erwähnte Wohnturm zu Wespersbühl, dessen Mauerreste gegen Ende des 19. Jahrhunderts verschwanden. Mitten im Dorf weist weiter ein Haus mit dem Namen „Klösterli“ auf die Beziehung zum Kloster Rheinau hin. Besagtes Gebäude diente vorerst als Zehntenhaus, später war es einige Zeit Unterkunft für vorübergehend Obdachlose. Das Wappen von Alten zeigt ein rotes Ruder und einen roten Stachel auf silbrigem Grund. Dies lässt erkennen, dass für das Dorf die nahe gelegene Thur von grosser Bedeutung war.

Oerlingen

Ausgrabungen in Oerlingen brachten unter anderem Überreste eines gallo-römischen Landhauses sowie ein grosses alemannisches Gräberfeld zutage. Auch der Name Ourlingin weist auf die Alemannische Herkunft hin. Im Jahr 1241 wird das Dorf erstmals in einem Dokument Kaiser Friedrichs II. urkundlich erwähnt. Eine wichtige Rolle in der Geschichte Oerlingens spielte der See oder Klosterweiher. Er gehörte wie viele Ländereien um das Dorf dem Kloster Rheinau und wurde für die Fischerei benutzt. Im 19. Jahrhundert wurde er privat erworben und später der Gemeinde verkauft. 1850 wurde der See entleert, das Oerlinger Riet entstand, ein Ort, wo heute noch die Frösche quaken, obwohl das Riet 1924 zu einem grossen Teil entwässert wurde. Im Wappen von Oerlingen sind ein silbernes Rebmesser und eine silberne Pflugschar auf rotem Grund zu sehen.

Thurübergänge

Die Andelfinger Thurbrücke wird schon im 14. Jahrhundert erwähnt. Und es ist bekannt, dass das Bauwerk ab 1652 bereits gedeckt war. Während Jahrhunderten war es der einzige Übergang zwischen Rhein und Uesslingen. Der Durchgangsverkehr brachte den Dörfern über den Brückenzoll Verdienst. Dass die Brücke auch von strategischer Bedeutung war, erfuhr die Gegend im Krieg zwischen Franzosen und Oesterreichern/Russen. Am 25. Mai 1799 ging neben einigen Häusern links und rechts der Thur auch die Brücke in Flammen auf. Danach musste der Fluss während 15 Jahren über einen Notsteg traversiert werden, bis dann in den Jahren 1814 und 1815 eine neue Brücke gebaut wurde. Diese musste in den kommenden Jahren laufend verstärkt und ausgebaut werden, damit sie dem immer grösseren Verkehrsaufkommen gewachsen war. 1977 wurde dem heute immer noch einspurigen Bauwerk auf der östlichen Seite ein Fussgängersteg angebaut. Für die Eisenbahnverbindung Winterthur-Schaffhausen, welche im Jahre1856 eröffnet wurde, war auch ein Thurübergang zu bewältigen. Auf rund 30 Metern Höhe quert das Bahngeleise den Fluss auf einer filigranen Eisen-Fachwerk-Brücke. 1957 erhielt die Region ein weiteres flussüberspannendes Bauwerk: Die N4-Weinlandbrücke (heute A4). Diese hatte den sich explosionsartig wachsenden Verkehrsstrom Nord-Süd zu schlucken und gleichzeitig die Verbindung durch die Dörfer zu entlasten. Im Jahre 2001 erhielt sie südseitig Verstärkung durch eine Zwillingsbrücke, welche sich parallel in gleicher Neigung und geschwungener Linie an die ältere Schwester schmiegt. Abgesehen von einer Hängebrücke am westlichen Dorfrand von Kleinandelfingen – diese ermöglicht Fussgängern und dem Abwasser aus Kleinandelfingen den Thurübergang – gibt es noch eine sechste Brücke auf dem Gemeindegebiet: Die Altemer-Brücke. Anfänglich wurde die Verbindung durch einen Fährverkehr aufrecht erhalten. Im Jahre 1868 löste eine Kettenbrücke die Fähre ab, und 1884 entstand eine Eisenkonstruktion, welche die Thur überspannte. 1992 ist an ihrer Stelle die heutige moderne und gedeckte Holzbrücke errichtet worden.

(Stand: 1. Januar 2015)